Sind Empathie und Hilfsbereitschaft das Gleiche und ist jeder hilfsbereite Mensch auch gleich hochsensibel, weil er besonders hilfsbereit ist?





Sind Empathie und Hilfsbereitschaft das Gleiche und ist jeder hilfsbereite Mensch auch gleich hochsensibel, weil er besonders hilfsbereit ist?

Viele hochsensible Menschen sind empathisch und schwingen mit den Mitmenschen, die sie umgeben, mit.
Sie fühlen sich intensiv in deren Gefühlswelt ein.

Die Befindlichkeiten, Nöte und die Sorgen anderer spüren Sie häufig ziemlich treffsicher auf.
Kleinste Nuancen der Gestik, des Tonfalls oder der Mimik ihrer Mitmenschen nehmen Sie dabei wahr.
Als Folge dieser Wahrnehmung, reagieren sie oft hilfsbereit und unterstützend.
Doch sollte dieses empathisches Mitschwingen nicht gleichgesetzt werden mit dem landläufigen Begriff der Hilfsbereitschaft.

Selbstverständlich ist es wertvoll und wundervoll, wenn Menschen fürsorglich sind oder hilfsbereit.
Menschen mit diesen Eigenschaften, machen die Welt ein bisschen heller und tun einfach gut.
Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an jeden, der fürsorglich und hilfsbereit ist.

Doch gibt es einen Unterschied zwischen der Empathie vieler hochsensibler Menschen und der Hilfsbereitschaft an und für sich.
Da mir die Frage, welcher Unterschied dahingehend besteht und was dieses Mitschwingen mit anderen eigentlich bedeutet, häufig begegnet, möchte ich dies gerne einmal an einem Beispiel, welches ich vor einiger Zeit selbst erlebt habe, veranschaulichen.

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Der Arbeitgeber hatte in diesem Beispiel viele Mitarbeiter zu einer Feier, bzw. zu einem Essen eingeladen.
Man fand an mehreren großen runden Tischen zusammen.
Es waren viele Kollegen erschienen und es herrschte ein reges Treiben, so dass das Servicepersonal viel zu tun hatte.

Eine dieser Servicekräfte war sehr hilfsbereit, sie nahm wahr, dass die Kollegin, die neben mir Platz genommen hatte, in Bezug auf ihre Körpergröße, nicht sehr groß war.
Ohne vorher zu fragen, brachte sie zwei große Kissen als Sitzerhöhung für den Stuhl.

An und für sich
war das eine wundervolle Sache, denn die Servicekraft hat trotz des Gewusels mitbekommen, dass die kleinere Person am Tisch, recht niedrig saß.

Sie trat an unseren Tisch heran, lies die Person aufstehen, platzierte die Kissen auf dem Stuhl und bat die Kollegin freundlich und höflich, doch auf dieser wundervollen Sitzerhöhung Platz zu nehmen.

Die Kollegin wiederum war ein eher zurückhaltender Mensch, der die Servicekraft nicht vor den Kopf stoßen wollte und nahm mit sichtlichem und spürbaren Unbehagen auf dem doppelten Kissen Platz.
Weit vom Boden entfernt hatten die Füße nun keinen Kontakt mehr, was für sie sichtlich unbequem war.

Nun zurück zum Thema:
Die Servicekraft war wirklich aufmerksam, freundlich und hilfsbereit, trotz des Gewusels hatte sie voller Aufmerksamkeit das Wohl der Gäste im Auge behalten.
Man kann deutlich sagen, dass sie sehr fürsorglich und hilfsbereit war.
Hilfsbereitschaft bedeutet, die Bereitschaft zu haben, anderen zu helfen und die war ganz augenscheinlich da.

Gleichwohl hat sie nicht empathisch reagiert.
Denn dann wäre ihr
ganz bestimmt aufgefallen, wie unwohl sich die Kollegin durch ihr gut gemeintes Verhalten gefühlt hat, bzw. sie hätte sich vorher schon Gedanken gemacht, was ihre Unterstützung in dem anderen Menschen auslösen könnte und wäre vielleicht erst einmal ohne Kissen, mit der Frage nach einer möglichen Unterstützung, an diese herangetreten.

Die Kollegin konnte sich über die Hilfsbereitschaft kaum freuen, denn zum einen war es ihr sichtbar unangenehm, als kleine Person wahrgenommen worden zu sein, zum anderen fühlte sie sich unwohl, eine solche Position auf dem Stuhl einnehmen zu müssen und von den vielen Kollegen am eigenen aber auch an den anderen Tischen beobachtet zu werden. (ihr Unwohlsein spiegelte sich in ihrer Mimik und Gestik)

Empathie bedeutet, sich in den anderen Menschen einfühlen zu können.
Die Servicekraft jedoch hatte all die Signale und Zeichen, die die Kollegin nonverbal ausgesandt hatte, in Bezug auf das Unwohlsein nicht wahrgenommen und sich vorher auch nicht in die Person hineinversetzt.

So verbrachte die Kollegin, die selbst leider nicht gut für sich gesorgt hat, indem sie der Servicekraft vielleicht mitgeteilt hätte, dass sie die Erhöhung nicht benötigte,
den Abend auf diesem doppelten Kissen, wobei hingegen die Servicekraft mit sich selbst wahrscheinlich recht zufrieden war, da sie so wundervoll hilfsbereit gewesen ist.

Vielleicht kann dieses kleine Beispiel den Unterschied zwischen Hilfsbereitschaft und Empathie ein wenig deutlich machen.

Jetzt fragst du dich vielleicht, warum es mir wichtig ist, den Unterschied zwischen Empathie und Hilfsbereitschaft hier aufzuzeigen.
Dazu muss ich sagen, dass mir viele Menschen begegnen, die selbst oder deren Kinder sehr hilfsbereit sind und die dann das Gefühl haben, sie wären sehr empathisch und wahrscheinlich hochsensibel.

Um aufzuzeigen, dass eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft nicht gleichzeitig mit der Hochsensibilität einhergehen muss, bzw. mit einer ausgeprägten Empathie, möchte ich mit diesem kleinen Beitrag beitragen.
Nicht jeder Mensch der hilfsbereit, sanft und liebevoll ist, ist hochsensibel.
Hochsensibilität ist ein ererbtes Persönlichkeitsmerkmal, welches mit einigen Wesensmerkmalen z.b. einer häufig stark ausgeprägten Empathie einhergeht.

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Meine lieben Mitmenschen, seid also weiter mit ganzem Herzen hilfsbereit,
achtet dabei aber auch darauf, nicht aus den Augen zu verlieren,
wie es dem anderen damit geht.
Und denkt daran… nicht jeder liebevolle hilfsbereite Mensch ist hochsensibel.

P.s. mit der Kollegin habe ich im Anschluss an diesen Abend noch einmal über diese Situation gesprochen,
letztendlich hat sie für sich erkannt, dass sie sich in Zukunft lieber nicht mehr so sehr zurücknehmen, sondern sich anstelle dessen eher authentisch äußern würde in Bezug auf das, was sie möchte und was nicht.
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© Loubins Way





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