Hochsensible Vielfühler

KLEINE WAHRNEHMUNGS-KÜNSTLER
UND VIELFÜHLER
haben es, besonders wenn ihre Verhaltensweisen missverstanden werden, oft nicht leicht

Viele hochsensible Kinder (selbstverständlich auch viele hochsensible Erwachsene)
sind mit einer unermesslichen Anzahl von kleinen Fühlern ausgestattet,
die sie der Welt permanent aufnahmebereit entgegenstrecken.

Sie haben eine vielschichtige und umfassende WAHRNEHMUNG und sind somit immer auf Empfang.

Feinste Details werden von ihnen sowohl aus ihrer direkten Umgebung, als auch in größerer Entfernung wahrgenommen.
ALLE REIZE, ganz UNABHÄNIG davon,
ob es sich um WICHTIGE oder UNWICHTIGE Informationen handelt, strömen dabei mit maximaler Intensität auf die Kinder ein.

Aufgrund der hohen Wahrnehmungsflut können HsK unwichtige und wichtige Informationen nicht sofort voneinander unterscheiden.
Sollten sie also im Alltagsgeschehen nicht sofort und „angemessen“ auf bestimmte Informationen reagieren, liegt das nicht an ihrem Unwillen,
sondern an der Tatsache, dass ALLE Informationen zunächst ungefiltert aufgenommen und erst später betrachtet und bewertet werden.

Durch die hohe Aufnahme von Reizen benötigen HsK oft viel mehr Zeit zum Verarbeiten als normalsensible Kinder, sie sind dabei NICHT langsamer als diese, sondern haben einfach nur eine Unmenge mehr an Eindrücken zu verarbeiten.

Man kann die hohe Reizaufnahme mit einem Schwamm vergleichen, der alles was erreichbar ist aufsaugt, dessen Kapazität jedoch begrenzt ist.
Ist ein hochsensibles Kind erst einmal übersättigt an Reizen, hat es nur noch die Möglichkeit sich über eine AUSZEIT zu regenerieren, ansonsten läuft es wie der Schwamm, im wahrsten Sinne des Wortes über.
(Wie der Schwamm, der ausgewrungen werden muss, um neue Kapazitäten aufnehmen zu können, benötigt das hochsensible Kind in Bezug auf seine ausgeprägte Wahrnehmung Auszeiten zur Erholung und Regenerierung.)

Zu bedenken ist,
dass eine Auszeit nicht unbedingt eine Ruhepause sein muss,
manchem Kind entspricht anstelle von Entspannungsübungen und Ruhephasen eher eine aktive Auszeit, wie Körperübungen, Tanz oder auch Bewegung in der Natur.

Oft wissen die Kinder selbst ganz gut, welche Form der Auszeit ihnen guttut.
Durch eine ehrlich gemeinte Frage, was ihnen persönlich guttun könnte, fühlen sie sich in ihren Bedürfnissen wahrgenommen und wertgeschätzt.

Unterstützung benötigen sie hingegen in Form einer ERINNERUNG bzw. AUFFORDERUNG an eine Auszeit,
da sie die hohe Reizaufnahme, eine Überreizung und eine damit verbundene nötige Auszeit selbst oft nicht von alleine bemerken.
(Je jünger das Kind, umso mehr Unterstützung benötigt es dabei.)

Um ein hochsensibles Kind in Bezug auf seine umfassende Wahrnehmung möglichst optimal zu begleiten,
ist es unter anderem wichtig zu berücksichtigen,
dass hochsensible Kinder durch
die INTENSIVE AUFNAHME VON REIZEN,
sehr viel schneller an ihre Grenzen kommen, als normalsensible Kinder.

Beispielsweise kann ein ganz normaler morgendlicher Ablauf zu Hause, wie z.B. aufstehen, anziehen, frühstücken, sowie der Weg zur Kindertagesstätte, zum Einkaufen usw. das hochsensible Kind durch die VIELEN VON IHM WAHRGENOMMEN REIZE
schon an seine persönliche Stressgrenze bringen, wo andere längst noch in ihrer Wohlfühlzone verweilen.

So kann es vorkommen, dass manche Kinder aufgrund des erhöhten Stress-Levels, beispielsweise schon im zeitigen Vormittagsbereich deutliche Anzeichen von Überreizung zeigen.
Normalsensible Personen können in solchen Momenten oft kaum nachvollziehen bzw. nachspüren, weshalb das Kind „so früh“ schon so überreizt ist.

Sätze wie:
„Was hast du denn schon wieder, ist doch alles ganz entspannt“
„jetzt beeil dich doch mal, immer bummelst du so rum“
„Wie kannst du nur so austicken, wegen so einer Kleinigkeit“
sind völlig unangemessen und überreizen das Kind zusätzlich zur ohnehin schon angespannten inneren Reizfülle.

RÜCKZUG ODER AGGRESSION

Hochsensible Kinder reagieren bei Überreizung jeweils individuell und unterschiedlich.
Mögliche Reaktionen können unter anderem
Rückzug,
Wut oder Aggression
sowie auch körperliche Reaktionen wie beispielsweise Angst, Atemnot, Reaktions- oder auch Bewegungsunfähigkeit u.m. sein.

Häufig werden bestimmte Reaktionen der Kinder bei Überreizung von Außenstehenden missdeutet und entsprechend unangemessen darauf reagiert.
Um angemessen darauf reagieren zu können,
ist es wichtig, Zusammenhänge zwischen der ERHÖHTEN WAHRNEHMUNG und bestimmten VERHALTENSWEISEN zu verstehen.

WIE KANN ICH DAS KIND UNTERSTÜTZEN

In Bezug auf die vielschichtige und umfassende Wahrnehmung hochsensibler Kinder gibt es unterschiedliche Möglichkeiten Entlastung zu schaffen.
Hilfreich ist es:

◦ Reize frühzeitig als solche zu erkennen und
die Reizflut so gut es geht zu minimieren, damit das hochsensible Kind
nicht in eine Dauerstressschleife gelangt

◦ Individuelle Entlastungsmöglichkeiten zu finden und gemeinsam ausprobieren

◦ Eine gute und differenzierte Selbstwahrnehmung des Kindes zu fördern.
Je differenzierter die Selbstwahrnehmung, umso eher kann das Kind Reize
sowie eine mögliche Überreizung wahrnehmen

◦ Eine möglichst sparsame und übersichtliche Raumgestaltung, beziehungsweise
„reizarme Oasen im Raum“ zu schaffen

◦ Damit das Kind aufgenommene Reize verarbeiten kann, ist das Einplanen und Umsetzen
von Auszeiten ebenfalls wichtig

◦ Ein angebotenes Glas Wasser unterstützt das Kind bei der Stressminimierung

◦ Entspannungsübungen sowie auch Körperübungen, je nach Bedürfnis des Kindes

◦ Liebevolle Berührungen können, wenn das Kind sich dafür entscheidet, zur Entspannung
führen und Stresshormone abbauen.
Die Zentren im Gehirn, die zur Problemlösung verantwortlich sind, können sich
entspannen
Raum für Vertrauen und Wohlbefinden entsteht.

◦ Von besonderer Bedeutung ist es zu verstehen, dass Kinder mit einer stark
ausgeprägten Wahrnehmung NICHT nörgelig, anstrengend, launisch, übersensibel oder
unberechenbar sind,
sondern ihre jeweiligen Verhaltensweisen der extremen Aufnahme von Reizen aller Art,
also der erhöhten Wahrnehmung gezollt sind,
die sich von der Wahrnehmung normalsensibler Menschen nicht unerheblich unterscheidet.

© Loubins Way